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Illustration: durchgestrichenes Lizenzblatt, daneben eine Spieluhr mit Noten und Funkeln ← Alle News
Hinter den Kulissen 7. Oktober 2026

Kinderlieder sind gemeinfrei. Die Aufnahmen nicht.

Für die Spieluhr-App wollte ich es mir einfach machen. Neun Wiegenlieder, alle uralt: Frère Jacques und andere Kinderlieder, die schon unsere Urgrosseltern gesungen haben. Die Melodien sind längst gemeinfrei. Was soll da schon schiefgehen?

Der Plan war simpel. In einer Lizenzdatenbank für Stockmusik hatte ich hübsche Spieluhr-Aufnahmen gefunden, genau im richtigen Klang. Lizenz kaufen, einbauen, fertig.

Dann habe ich das Kleingedruckte gelesen

Und dort stand es ziemlich deutlich: Die Musik darf ich als Untermalung verwenden. In einem Video, einem Podcast, als Hintergrund in einem Spiel. Was ich nicht darf, ist sie unverändert und für sich allein abspielen lassen.

Bei einer Spieluhr-App ist aber genau das der Kern. Du tippst auf das Filztier, und das Lied läuft. Pur, ohne alles andere. Die Musik ist nicht die Begleitung zum Produkt, sie ist das Produkt. Für die Plattform sieht das aus wie Weiterverbreitung ihrer Aufnahmen, und genau die wollen sie verhindern. Verstehe ich sogar.

Mein eigentliches Learning dabei: Eine gemeinfreie Melodie heisst noch lange nicht, dass jede Aufnahme davon frei ist. Arrangement und Einspielung haben ihre eigenen Rechte. Das wusste ich irgendwie, aber ich hatte es nicht zu Ende gedacht.

Plan B kam aus der KI

Die ganze App ist mit viel Vibe-Coding entstanden, also mit KI als Sparringpartner im Code. Da lag die Frage nahe: Warum nicht auch die Musik?

Also habe ich die alten Melodien kurzerhand von einer KI als Spieluhr-Stücke neu erzeugen lassen. Gleiche Lieder, neue Aufnahmen, die es vorher so nicht gab. Das Ergebnis klingt so, wie eine Spieluhr klingen soll.

Ehrlich gesagt hat mich überrascht, wie gut das funktioniert. Und es kehrt die Lage um: Die Datenbank wollte genau diese Nutzung verhindern. Jetzt habe ich eigene Stücke, gebaut auf Melodien, die niemandem mehr gehören. Für uns ist das lizenztechnisch die sauberste Lösung, die es gibt.

Was ich mitnehme

  • Lizenzbedingungen lesen, bevor die Musik im Projekt steckt, nicht danach.
  • „Gemeinfrei“ gilt für die Komposition. Für die Aufnahme muss man separat hinschauen.
  • KI ist nicht nur ein Werkzeug für Code. Manchmal löst sie ein rechtliches Problem gleich mit.

Ich finde diese Entwicklung spannend. Vor ein paar Jahren hätte ich für so etwas jemanden beauftragen oder selbst stundenlang am Keyboard sitzen müssen. Heute reichen ein paar gute Prompts und etwas Geduld.

Hören kannst du das Ergebnis in der Spieluhr-App. Neun Filztiere, neun Wiegenlieder, alle mit gutem Gewissen. 🎶

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